Sportsgeister

„Was wir hier jetzt besprechen bleibt absolut unter uns, ist das klar?“

Er wartete das Nicken seiner Kollegen ab und fuhr dann fort: „Wir stehen noch weit näher am Abgrund als vor fünf Jahren. Damals waren unsere Probleme hausgemacht, heute sind wir Opfer einer politischen Entscheidung.“

Er betonte das Wort „politisch“, als sei es etwas Widerwärtiges und ignorierte Oberammers Zusammenzucken.

„Klaus, ich stelle Dir nun eine Frage, bei der ich sehr genau weiß, was ich von Dir verlange. Aber ich weiß auch, dass Du seit vielen Jahren dem Verein treu ergeben bist und deshalb alles tun wirst, um unseren FC zu erhalten.“

Dem Vereinsjurist war zunehmend unbehaglicher geworden bei Leitners Worten und er war sicher, dass ihm nicht gefallen würde, was er jetzt zu hören bekam. Er sollte Recht behalten.

„Wir haben sechs Spieler, bei denen wir bisher nur intern festgestellt haben, dass sie einen ausländischen Familienhintergrund haben, ihre Namen lassen das nicht erahnen: Kluge, Reimer, Meier, Schmidt, Hartmann und Beck.“

Er schwieg einen Moment und Thalers schlechtes Gefühl verstärkte sich.

„Welche Unterlagen müssen wir fälschen, um das zu verheimlichen, wen müssen wir bestechen, um das hinzukriegen und wie schnell ist das machbar?“

 

Klaus Thaler starrte den Präsidenten des Münchener FC fassungslos an.

„Dafür kommen wir in den Knast, Nepomuk!“

Er schüttelte abwehrend den Kopf, als er fortfuhr.

„Das ist hohe Politik, BUNDESPOLITIK. Die werden alles dransetzen ...“

„Ich habe Dich nicht gefragt, was die Risiken sind, das weiß ich selbst“, fuhr Leitner ihn an. „Meine Fragen waren: Was und wie?“

„Bundeslandverein statt Bundesligaverein“ hatte der Kicker damals gespöttelt. Das Argument der Politiker für die Hilfe war immer der Erhalt des bayerischen Traditionsvereines gewesen.

 

Niemand im Verein war auf die Idee gekommen, dass die Regierung ihre Mehrheit tatsächlich zu Eingriffen in die Vereinspolitik nutzen würde. Doch genau das war geschehen: In einem Vier-Augen-Gespräch hatte der Staatssekretär Burkhard Meier, ein enger Vertrauter von Ministerpräsident Ansgar Straus, dem FC-Präsident klar gemacht, dass von dem Verein eine Vorreiterrolle in der Umsetzung des „Gesetzes zur deutschen Sportförderung“ erwartet wurde. Ansonsten könnte das Finanzministerium möglicherweise zu der Erkenntnis kommen, dass es sich eine Regierung in Anbetracht knapper Haushaltskassen nicht mehr leisten konnte, Aktien eines Sportvereines zu halten.

Die Lizenzordnung des DFB erforderte, dass der Verein: „… sich verpflichtet, zu jedem Pflicht-Bundesligaspiel mindestens zwölf Lizenzspieler deutscher Staatsangehörigkeit unter Vertrag zu halten“ Mit dem neuen Gesetz wurden nun die Einbürgerungen ausländischer Spieler, die notwendig waren, um diese Anforderung einzuhalten, faktisch wieder rückgängig gemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Zwerg Nazi - Tina Ewald