Die Fuchsjagd

Eine flüchtige Bewegung erweckte unsere Aufmerksamkeit und Anton und ich nahmen zur selben Zeit das Glas hoch. Wir hatten einen schwarzen, einzelnen Schatten gesehen. Wild? Langsam schlichen wir uns zu den engstehenden Bäumen. Glücklicherweise war der Boden vom vorangegangenen Regen noch nass, so dass wir uns weitgehend geräuschlos anpirschen konnten. In der Tat, das war eine stärkere Fähe, und sie war trächtig, wie der Verlauf der Bauchlinie verriet. Ungewöhnlich, dass sie trotzdem für die Jagd freigegeben war – wie dem auch sei, ihr Kopf war rot gefärbt. Diesmal bedurfte es keines langen Nachdenkens, bis ich die Waffe hob.

Die Entfernung betrug um die 30 Meter. Das Anstreichen an einer der Kiefern war kein Problem. Im Schuss fiel die Fähe wie vom Schlag getroffen um - hatte ich sie gekrellt? Ich behielt den liegenden Wildkörper im Visier, denn das schien mir ein wenig zu schnell gegangen zu sein. Doch einen Fehlschuss konnte ich eigentlich ausschließen, weil ich gut, und zwar unterhalb der Mitte des Wildkörpers im Blattbereich, abgekommen war. Die Beute verschwand plötzlich aus meinem Blickfeld, weil mir unser Jagdführer kräftig auf die Schulter schlug. „Waidmannsheil, Peter!“

Dann ein Blick zurück zur Beute, die – nicht mehr da war. War sie in eine Bodenwelle gerutscht? Wo war die Fähe geblieben? Wir traten näher und schauten ziemlich verdutzt aus der Wäsche. Jetzt hieß es Nerven bewahren. Gruber zückte sein Handy, und innerhalb von fünf Minuten war ein Schweißhund-Führer mit seinem Hannoveraner zur Stelle. Der Anschuss war leicht zu finden, da ein paar Tropfen Schweiß sich deutlich rot vom Untergrund abhoben. Die Nase dicht am Boden zog der Hund heftig am Riemen und verschwand im Gebüsch.

Keine dreißig Meter weiter wurde der Schweiß-Spezialist aufgeregt und hob die Nase. Der Führer klemmte die Leine ab, und der Hund schoss auf einen vor uns liegenden großen Farn zu. Lautes Gebell! Doch weder Hund noch Beute waren zu sehen. Vorsichtig, mit der Waffe im Anschlag, näherten wir uns dem Bail. Dann eine freie Fläche inmitten der gelbbraunen Farnwedel und wir sahen die am Boden sitzende Fähe, die der Hund in respektvoller Entfernung umkreiste.

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© Zwerg Nazi - Tina Ewald