Der Zwerg Nazi

Eines Tages ging der Kleine wieder mal sehr niedergeschlagen durch die Stadt, weil er immer noch keine Arbeit gefunden hatte. Selbst als Helfer für schwere Arbeiten hielt er sich nicht lange, weil er glaubte, alle Leute machten sich über ihn lustig. Dann antwortete er schnell mit seinen Fäusten auf die vermeintliche Beleidigung. Als er nun traurig im Park saß und an seinen Fingernägeln nagte, sprach ihn ein Mann an.

„Ihr seid ein hübsches Bürschchen, schlank und fein, ein Hälschen wie ein Schwan, Händchen wie eine Königin, und ein Stumpfnäschen, man kann es nicht schöner sehen. Warum also seid Ihr so traurig?”

Als Kevin hörte, dass endlich jemand sein wahres Wesen erkannte, fing er bitterlich an zu weinen und erzählte ihm von all den Leuten, die sich über ihn lustig machten, und dass er keine Arbeit finden könne.

„Ich will Euch einen Vorschlag machen, kleiner Mann,” sagte der Fremde. „Kommt mit zu meiner Versammlung, dort lernt Ihr, wie man den Leuten Respekt beibringt.”

Kevin war begeistert. Ja, warum sollte er sich eigentlich diesen Schimpf geduldig gefallen lassen? Er erinnerte sich, wie er seinem Vater erklärt hatte, dass er nicht mehr in die Schule gehen wollte, weil alle ihn auslachten und dass ihn bestimmt eine Zigeunerin verzaubert habe.

Doch der Vater hatte geschrien: „Verzaubert bist du worden, mein Söhnchen? Warte doch, ich will dich wieder entzaubern.”

Dabei nahm er ein Bündel Riemen, die er eben zugeschnitten hatte, sprang auf den Kleinen zu und schlug ihn auf den hohen Rücken und auf die langen Arme, dass der Kleine vor Schmerz aufschrie und weinend davonlief.

Bald waren der Fremde, der den Namen Hans trug, und Kevin unzertrennlich. Alle hatten vor Hans Respekt und hörten auf das, was er sagte. Er erzählte, dass die Ausländer, die Zigeuner und Asozialen an allem schuld waren. Dass sie den Deutschen die Arbeit wegnahmen und die deutschen Mädchen verführten.

 

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© Zwerg Nazi - Tina Ewald