Der Tag, an dem Richie Meier ein Deutschnationaler wurde

Richie deckte seinen Frühstückstisch und nahm dann die Checkliste „Deutsches Frühstück“ zu Hand. Bedauernd schüttete er den Kaffee in den Ausguss, denn der kam, wie ein kritischer Blick auf die Packung zeigte, aus Kolumbien. Die Teedose wanderte auch auf den Müll, der war aus Indien. Zögernd hielt er die Milchflasche in der Hand und suchte auf der Checkliste. Ob es wohl sein könnte, dass die Kühe gar nicht in Deutschland geboren waren? Na, lieber Mal zu vorsichtig sein, dachte Richie ein bisschen stolz, als er zur Mineralwasserflasche griff.

 

Für das Brot brauchte er gar nicht auf die Checkliste zu sehen. In einer der letzten Versammlungen hatte ein Mann über die Machenschaften der amerikanischen Weizenmafia berichtet. Auch für die Cornflakes war kein Platz, der Mais kam auch aus den USA. Richie zuckte die Schulter, obwohl er sehr gerne Cornflakes aß. Aber ohne Milch schmeckten sie eh nicht.

Richie räumte entschlossen auch die restlichen Sachen aus seinem Kühlschrank. Polnische Gurken, holländische Tomaten, ungarische Peperoni, deutsche Möhren. Deutsche Möhren? Gierig biss Richie hinein.

Jetzt war das Regal dran. Knäckebrot mit Nutella? Nein, das Brot kam aus Schweden, in der Nutella war Schokolade und jedes Kind wusste, dass DIE nicht in Deutschland wuchs.

 

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© Zwerg Nazi - Tina Ewald